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Alternative: Skepsis
Viele Menschen sind unzufrieden mit ihren Erfahrungen in der Arztpraxis und wenden sich alternativen Heilmethoden zu. Aber was hinter diesen Verfahren wirklich steckt, erfährt man häufig nicht. Ein Erfahrungsbericht.
Von Markus C. Schulte von Drach

Was tut man als Vater, wenn der neugeborene Nachwuchs plötzlich beginnt, sich immer wieder zu überstrecken? Man geht zum Kinderarzt. Und was tun besorgte Eltern, wenn man dort lediglich die Auskunft erhält: „Vermutlich völlig harmlos. Weiter beobachten“?

Man hört auf den Rat von Bekannten und Verwandten, die den Besuch einer „unglaublich erfolgreichen Craniosakral-Therapeutin“ empfehlen.

Selbst wenn man von Haus aus skeptisch ist gegenüber alternativen Heilmethoden – die Verantwortung lastet schwer auf den Schultern eines Vaters. Wer möchte seinem Kind schon eine möglicherweise hilfreiche Behandlung vorenthalten?

Wenige Tage später gab ich meinen Sohn in die Hände einer Heilpraktikerin, die eine Weile sanft an ihm herumdrückte.

Ein richtig ausgebildeter Therapeut, so erfuhr ich, ertastet auf diese Weise den Rhythmus der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit.

Ein Rhythmus der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit?

Von einem solchen Phänomen hatte ich als Biologe noch nie gehört. Aber die Wissenschaft macht schließlich ständig neue Entdeckungen.
„Blockierungen im Körper“
Rhythmus-Störungen, erklärte mir die Frau weiter, deute auf „Blockierungen im Körper“, die zu den verschiedensten Symptomen führen könnten. Zum Glück ließen sie sich jedoch häufig durch vorsichtigen Druck an den richtigen Körperstellen lösen.

Wie ich später in Erfahrung brachte, soll die Behandlung bei den verschiedensten Leiden helfen - von stressbedingten Verspannungen bis hin zu Parkinson und Multipler Sklerose.

Während es mir gelungen war, vor und während der Behandlung meine Skepsis zu verdrängen, konnte ich danach nicht widerstehen, die Behauptungen der Therapeutin zu überprüfen.

Eine kurze Recherche ergab: Ein "Craniosakral-Rhythmus" ist wissenschaftlich nicht belegt.

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Teil 1: Anthroposophische Heilkunde

Na gut. Es „gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio“, wie Shakespeare seinen Hamlet weise sagen lässt. Und Recht hat Hamlet!
Die falsche Frage

Schließlich hat der Kosmos schon eine ganze Reihe unglaubliche Überraschungen für uns parat gehalten. Und immer wieder müssen wir uns eingestehen, wie wenig unsere Sinne uns über die Realität eigentlich mitteilen. (Oder begreifen Sie vielleicht die Sache mit dem Licht, das mal Welle, mal Teilchen und irgendwie beides zugleich ist, wie die Physiker seit hundert Jahren wissen?)

Wenn in der Natur solche sprichwörtlich übersinnlichen Phänomene existieren - warum sollte es dann nicht auch einen "Craniosakral-Rhythmus" geben, den nur speziell ausgebildete Therapeuten wahrnehmen können?

Klar, warum nicht? Nur: Das ist die falsche Frage.

Shakespears skeptischer Horatio würde hier vielmehr fragen: Wenn diese Therapeuten einen der Wissenschaft bislang unbekannten Rhythmus ertasten können, wieviele Rhythmen stellen dann zwei Therapeuten gleichzeitig an einem Patienten fest?

Die Antwort lautet: Bei entsprechenden Versuchen erspüren zwei Therapeuten an der selben Person zur selben Zeit ... zwei Rhythmen.

Der „Craniosakral-Rhythmus“ stammt demnach nicht vom Patienten. Er ist lediglich ein Gefühl der Therapeuten. „Die Zuverlässigkeit der Diagnose“, so schlossen bereits vor einigen Jahren amerikanische Fachleute, geht demnach „gegen Null“.

Es scheint, als hätte ich meinen Sohn lediglich eine kleine Babymassage verschafft – mehr nicht.

Wieso aber haben dann so viele Menschen das Gefühl, ihnen oder ihrem Kind ginge es nach der Behandlung besser?

Wer nicht weiterhin an den „Craniosakral-Rhythmus“ glauben mag, findet dafür wohl nur eine Erklärung: Schon das Gefühl, dass man mit dem Besuch eines Heilpraktikers die Hilflosigkeit nach dem Besuch beim Kinderarzt überwunden hat, tut gut.

Es macht Patienten und auch Eltern sicherer – und das spüren vermutlich auch ihre Kinder. Schon so dürfte das Wechselspiel zwischen Heilpraktiker, Kind und Eltern positive Folgen haben.

Nur muss man sich in diesem Fall der Ehrlichkeit halber eingestehen: Es handelt sich offenbar um einen mit teurem Geld erkauften Placeboeffekt. Ähnlich wirksam sind Scheinmedikamente, wenn uns der Arzt nur glaubhaft versichert, es handele sich um das beste verfügbare Medikament.

Und angesichts der Erkenntnisse der Bewusstseinsforscher und Psychologen ist eines inzwischen klar. Unser subjektiver Eindruck täuscht uns regelmäßig und massiv – sowohl über unsere eigenen Leiden als auch über die Befindlichkeit unserer Kinder.

Trotzdem werden viele Heilmethoden wie die „Craniosakral-Therapie“ in der Gesellschaft inzwischen als gleichberechtigte Alternative zur Schulmedizin wahrgenommen.

Doch es gibt einige wichtige Unterschiede zwischen beiden „Schulen“, die man bei der Auswahl einer Therapie berücksichtigen sollte.

Problematische Schulmedizin

Schulmediziner behandeln ihre Patienten in der Regel mit Produkten der Pharmaindustrie. Arzneimittelhersteller aber sind keine Wohlfahrtsunternehmen. Das Mittel, das ein Arzt verschreibt, ist deshalb vielleicht tatsächlich das beste, das zur Verfügung steht. Vielleicht ist es aber auch den Herstellern einfach nur gelungen, diesen Eindruck zu erwecken.

Auch werden Medikamente in Tierversuchen getestet, deren Ergebnisse sich nicht unbedingt auf Menschen übertragen lassen. Und auch die abschließenden Tests an menschlichen Probanden gewährleisten nicht, dass die Medikamente wirklich sicher sind.

Immer wieder kommt es in den klinischen Studien zu Fehlern, immer wieder versuchen Unternehmen, Wissenschaftler, die ihre Produkte prüfen, zu beeinflussen oder zu manipulieren. Und bei manchen Mitteln sind gefährliche oder tödliche Nebenwirkungen erst nach der Zulassung erkannt worden.

Aber immerhin: Die Wirksamkeit der Behandlungsmittel und -methoden wird überhaupt getestet. Eine Placebo-Wirkung allein reicht nicht aus. Und es gibt zu jedem Medikament einen Beipackzettel mit einer Liste möglicher Nebenwirkungen.

Bei vielen alternativen Heilmethoden ist das anders. Es mangelt häufig an objektiven Belegen ihrer Wirksamkeit. Und von Risiken, die von den Behandlungen ausgehen können, erfährt man selten etwas – selbst wenn sie bekannt sind. Es ist schließlich nicht ungefährlich, einem Säugling während einer Craniosakral-Therapie an den noch nicht verwachsenen Schädelknochen herumzudrücken.

Warum aber zeigen so viele Menschen – nicht nur besorgte Eltern - trotzdem ein so starkes Bedürfnis nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten?

Vor einiger Zeit haben Wissenschaftler der Universität Bern dazu erklärt, die Ärzte müssten sich endlich eingestehen, „dass die moderne Medizin die Bedürfnisse der Patienten nach einer individuellen Gesundheitsfürsorge nicht genügend berücksichtigt“. Individuelle Gesundheitsfürsorge – das bedeutet vor allem, Patienten als Menschen mit Gefühlen und Nöten ernst zu nehmen und ihnen ausreichend Zeit zu widmen.

Und das, was ich bei „meinem Hausarzt“ vermisse, bietet mir dafür zum Beispiel „mein Homöopath“.

Doch wer nach Alternativen sucht, sollte wissen, womit er es zu tun bekommt. Darüber, welche Methoden und welche Ideologien wirklich hinter einigen der prominentesten alternativen Heilverfahren stecken, wird sueddeutsche.de in einer Serie deshalb hier informieren. (Teil 1: Anthroposophische Heilkunde)

Bei meinem Sohn übrigens ist sogar der Placebo-Effekt der Craniosakral-Therapie ausgeblieben. Vielleicht war ich ja trotz aller Vorsätze zu skeptisch und mein Sohn hat das gespürt.

Oder unsere Kinderärztin lag mit ihrer Vermutung doch richtig. Unser Sohn hat jedenfalls – eine ganze Weile nach der Craniosakral-Behandlung - eine völlig normale Haltung entwickelt.

Teil 1: Anthroposophische Heilkunde - Offenbart in "mystischer Schau" mehr ...
Teil 2: Aromatherapie - Die Wirkung der pflanzlichen “Seele” mehr ...
Teil 3: Bach-Blütentherapie - 38 Blüten gegen alle Leiden mehr ...
Teil 4: Bioresonanztherapie - Falsch gepolte Schwingungen mehr ...
Teil 5: Craniosakraltherapie - Im mysteriösen Rhythmus der Hirnflüssigkeit mehr ...
Teil 6: Edelsteintherapie - Steine für jedes Sternzeichen mehr ...
Teil 7: Farbentherapie - Mit Licht gegen Leiden mehr ...
Teil 8: Familienaufstellung nach Hellinger - Wenn Ahnen krank machen mehr ...
Teil 9: Homöopathie - Heilung nach dem Ähnlichkeits-Prinzip mehr ...
Teil 10: Reflexzonentherapie - Ein ganzer Körper auf der Fußsohle mehr ...
Teil 11: Schüßler-Salze - Die heilsamen Zwölf mehr ...
Teil 12: Shiatsu/Akupressur - Lust unter Druck mehr ...
Teil 13: Spagyrik/Clustermedizin - Suche nach dem "Universalmittel" mehr ...
Teil 14: Urintherapie - Harn-Trank mehr ...
Teil 15: Yoga - Das linke Bein auf der rechten Schulter mehr ...
Teil 16: Aderlass & Co - Bluten für die Gesundheit mehr ...
Teil 17: Akupunktur - Die Nadel-Therapie mehr ...
Teil 18: Aloe Vera / Kolloidales Silber - Die wundersame Wüstenlilie mehr ...
Teil 19: Aura-Healing / Aura Soma - Energiefelder in Regenbogenfarben mehr ...
Teil 20: Ayurveda - Das "Wissen um ein langes Leben" mehr ...
Teil 21: Bioenergetik - Die "orgastische Entladung" mehr ...
Teil 22: Biorhythmik - Vorsicht an "kritischen Tagen" mehr ...
Teil 23: Geist- und Wunderheilung/Reiki - Heilsame Hände mehr ...
Teil 24: Kinesiologie - Diagnose mit dem "Muskeltest" mehr ...
Teil 25: Neuraltherapie - Stechen gegen Störungen mehr ...
Teil 26: Phytotherapie - Heilende Pflanzen mehr ...
Teil 27: Radiästhesie - Mit Pendel und Wünschelrute mehr ...
Teil 28: Rebirthing - Wiedergeboren durch die Atmung mehr ...
Teil 29: T'ai-Chi/Qi-Gong - "Schattenboxen" für Leib und Seele mehr ...
Teil 30: Zelltherapie - Frische Zellen zur "Verjüngung" mehr ...

Teil 1: Anthroposophische Heilkunde

Offenbart in "mystischer Schau"
Das Ziel der “geisteswissenschaftlichen” Heilverfahren nach Rudolf Steiner: Die Wiederherstellung eines Gleichgewichtes von "Äther-", "Astral-" und "Ich-Leibern", die den Körper in aurischen Hüllen umgeben.
Von Colin Goldner

Die anthroposophische Heilkunde ist untrennbar mit der Figur ihres Begründers Rudolf Steiner (1861-1925) verbunden.

Schon in früher Kindheit, so die Legende, sei Steiners "primäre Erfahrung die der Welt des Seins hinter der sinnlichen Welt" gewesen.

Demnach hätte der junge Steiner übersinnliche Fähigkeiten besessen. Aus heutiger psychiatrischer Sicht würde man die Symptome, die er als junger Erwachsener entwickelte, allerdings als Hinweise auf den Beginn einer schizoiden Persönlichkeitsstörung interpretieren.

Die von ihm ab Anfang der 1920er entwickelten Vorstellungen einer “geisteswissenschaftlichen” Heilkunde sind, wie auch seine sonstigen Beiträge zu Pädagogik, Psychologie, Kunst, Philosophie und anderem, durchzogen von Ideen und Begrifflichkeiten, die sich ihm angeblich in “mystischer Schau” offenbart hatten.

Zu den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften allerdings stehen seine Vorstellungen in diametralem Widerspruch.

Der anthroposophischen Heilkunde geht es im Prinzip weniger um die Behandlung von Krankheitserscheinungen als vielmehr um die Wiederherstellung eines Gleichgewichtes der von Steiner postulierten “Äther-”, “Astral-” und “Ich-Leiber”, die den physischen Körper in aurischen Hüllen umgäben.

Zu diesem Zwecke bietet sie eine Vielzahl spezifischer Medikamente aus pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Grundstoffen an, die, ausgepresst, getrocknet, gekocht oder verascht, in hömöopathieähnlicher Aufbereitung und Verdünnung eingesetzt werden.

Die Zuordnung von Pflanzen zu bestimmten Organen beziehungsweise Organstörungen erfolgt über Farb- und Formassoziationen: Gelbe Löwenzahnblätter etwa dienen als Therapeutika bei Erkrankungen der Leber, die bekanntlich Haut und Augen gelb färben können.

“Eingespannt in kosmische Zusammenhänge außerirdischer Natur”

Andere Präparate werden aus Bienen, Wespen oder Ameisen hergestellt; diese werden in der Regel lebend zermalmt oder püriert, um ihre "Lebenskraft" in das Medikament zu übertragen. Daneben werden Heilmittel auch aus Schlangengiften, Krötensekreten oder Sepia-Tinte, aus Haifisch- oder Rindergalle, Hirschhorn oder Maulwurfshaaren gefertigt.

Die Kreuzspinne ist laut Steiner übrigens “eingespannt in kosmische Zusammenhänge außerirdischer Natur.” Da mit ihr die astralischen Kräfte angeregt werden könnten, die sich besonders in der Bewegung äußerten, empfehle sich ihre Anwendung bei Muskelerkrankungen.

Mineralpräparate nach Steiner enthalten unter anderem Quarz oder Jaspis; sie werden eingesetzt bei Störungen des “Sinnes-Nervensystems”.

Eine Sonderstellung nehmen die sogenannten Metallpräparate ein. Sie werden aus den Metallen des “inneren Planetensystems” hergestellt: Blei, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber, Silber und Zinn.

Blei korrespondiere mit Saturn, so Steiner, und sei deshalb bei Milzerkrankungen einzusetzen, Eisen mit Mars, was eisenhaltige Präparate zur Behandlung von Gallenproblemen prädestiniere.

Bevorzugt werden auch Präparate mit “"vegetabilisierten Metallen” eingesetzt. Streng nach den Vorgaben Steiners werden hierbei die zur Rede stehenden Metalle aufwendigen Glüh-, Abrauch- und Fällungsprozessen ausgesetzt, bis nur noch poröse Rückstände übrigbleiben.

Aus diesen wird ein sogenannter “Urdünger” hergestellt, der in einer Wasserverdünnung von 1:1.000.000 auf die Saat der entsprechenden Heilpflanze ausgebracht wird. Johanniskraut beispielsweise wird mit Gold-Urdünger behandelt, Brunnenkresse mit Quecksilber.

Nach der vollen Entfaltung der Pflanze werden die oberirdischen Teile unter Beachtung von Mondphasen und astrologischen Planentenkonstellationen abgeschnitten, gehäckselt und in der Sonne angewelkt; anschließend werden sie mit reifer Gartenerde vermischt und in Tontöpfen kompostiert.

In einer zweiten Stufe wird der so erhaltene Kompost auf eine neue Saat ausgebracht, deren voll entfaltete Pflanzen derselben Prozedur unterworfen werden wie die Pflanzen der ersten Stufe. Der Vorgang wird noch ein drittesmal wiederholt. Die in der dritten Stufe, sprich: nach drei Jahren “ganz vom Metallprozess durchdrungenen" Pflanzen werden zu homöopathieähnlichen Lösungen und Injektionsmitteln aufbereitet.

Auf diese Weise "kamillenvegetabilisiertes" Kupfer beispielsweise soll unentbehrlich in der Behandlung von Blähungskoliken sein.

Auch Präparate mit “animalisierten” Metallen werden verwendet, die in gleichermaßen ritualisierter Form aus den Organen von Schlachttieren - meist junge Rinder, Schweine oder Schafe – hergestellt wurden, denen zu Lebzeiten entsprechende Metalle verabfolgt worden waren.

Mit Misteln gegen den Krebs

Zu den bekanntesten Medikamenten der anthroposophischen Heilkunde zählen übrigens Mistelpräparate, die vor allem gegen Tumorerkrankungen eingesetzt werden.

Der Glaube an die Wirkkraft der Mistel rührt in erster Linie von einem Analogiedenken: Wie beim Krebs handle es sich auch bei der Mistel um einen Schmarotzer; wie der Krebs, der sich dem normalen Zellwachstum widersetze, widersetze sich auch die Mistel den Gesetzen der Natur: sie blühe im Winter, berühre die Erde nicht und wachse nicht dem Sonnenlicht entgegen.

Von entscheidender Bedeutung soll die indikationsbezogene Wahl der Wirtsbäume sein: Zur Behandlung etwa von Karzinomen des Urogenitaltraktes seien bei männlichen Patienten Mistelpräparate vom Wirtsbaum Eiche zu verwenden, bei weiblichen Patienten dagegen vom Wirtsbaum Apfel.

Die Zuordnung der einzelnen Präparate beziehungsweise der darin enthaltenen Stoffe zu bestimmten Störungen oder Erkrankungen ist naturwissenschaftlich durch nichts belegt und rational auch nicht nachvollziehbar.

Ähnlich wie die Mittel der Homöopathie unterliegen auch die Mittel der anthroposophischen Heilkunde einer gesetzlichen Ausnahmeregelung:

Ihre Wirkung muss nicht anhand der wissenschaftlichen Kriterien nachgewiesen werden, die Maßstab der Zulassung jedes anderen Medikaments sind. Eine klinisch-kontrollierte Arzneimittelprüfung findet nicht statt.

Aromatherapie

Die Wirkung der pflanzlichen “Seele”
Rund achtzig unterschiedliche Duftöle sollen bei Krankheiten helfen – von Zahnschmerzen bis hin zu Herzproblemen. Was wo hilft, darüber sind sich Anhänger der Therapie allerdings nicht einig.
Von Colin Goldner

Der Begriff Aromatherapie wurde 1928 von dem französischen Chemiker René-Maurice Gattefossé eingeführt, der mittels zahlreicher Selbstexperimente die Heilwirkung von Duftstoffen erforscht hatte.

Ganz besonders hatte Gattefossé sich mit den vermeintlich antibakteriellen Wirkungen bestimmter ätherischer Öle befasst. Im Zuge der Entwicklung antibiotischer Wirkstoffe wurden seine Untersuchungen jedoch nicht weiter verfolgt.

In den 1950er Jahren wurden Gattefossés Arbeiten von der französischen Kosmetiklehrerin Marguerite Maury aufgegriffen, die eine Art "esoterischer Aromatherapie" begründete.

In ihrem Standardwerk über die "Geheimnisse des Lebens und der Jugend" beschreibt sie, wie mit dem jeweiligen Aroma einer Pflanze auch deren "Seele" in die menschliche Aura übergehe und dort heilkräftige Wirkung entfalte.

Ende der 1970er Jahre, im Zuge des neuaufkeimenden Interesses an "alternativen" Heilverfahren, wurden die Schriften Gattefossés und Maurys "wiederentdeckt".

Der englische Heilpraktiker Robert Tisserand legte aktualisierte Gebrauchsanweisungen vor, die als Grundlage der heutigen Aromatherapie, bekannt auch als Osmotherapie (osmé: griech.= Duft), gelten.

Zu enormer Popularisierung trug der 1985 erschienene Bestseller-Roman "Das Parfum" von Patrick Süskind bei. Nicht nur in esoterisch angehauchten Kreisen erfreuen sich seither besondere Lampen großer Beliebtheit, die den Duft ätherischer Öle verbreiten: In eine Wasserschale werden einige Tropfen Öl geträufelt, die über einer Kerzenflamme verdunsten.

Die Aromatherapie bedient sich rund achtzig unterschiedlicher Duftöle, die in umfangreichen Auflistungen bestimmten Problemen und Krankheiten zugeordnet werden: von "Appetitlosigkeit" (Bergamotte, Ingwer, Kamille) bis "Zahnschmerzen" (Knoblauch, Salbei, Wacholder).

Allerdings weisen verschiedene Lehrbücher den jeweiligen Aromen ganz unterschiedliche Wirkungen zu:

So wird beispielsweise Zimt von dem einen Autor bei Blutdruck- und Herzproblemen empfohlen, vom nächsten bei Durchfall und von einem dritten bei Depression.

Eine aromatherapeutische Behandlung soll nicht nur bei schweren körperlichen Erkrankungen wie etwa Diabetes oder Lungenentzündung ratsam sein, sondern insbesondere auch bei psychischen oder psychosomatischen Problemen: Schlafstörungen, Stress, Angst, Depression seien mit Hilfe der Öle wirksam zu behandeln.

In einigen Ratgebern wird Aromatherapie ausdrücklich auch bei Sexualproblemen empfohlen, allerdings werden hier weniger Pflanzenöle als vielmehr Öle aus tierischen Drüsensekreten angeraten: Bei Impotenz etwa sei Bibergeil oder Moschus hilfreich.

In der Regel dient die Aromatherapie lediglich der Unterstützung oder Ergänzung anderer “feinstofflicher” Verfahren - von Aura-Soma-, Bach-Blüten- und Craniosakraltherapie bis hin zu Homöopathie oder Schüßler-Salzen. Nur im Einzelfall wird sie als eigenständiges Verfahren eingesetzt.

Die Aromaöle werden entweder einmassiert - bevorzugt auf vermeintlichen “Reflexzonen” oder auf den Verlaufslinien angeblicher "Energiemeridiane", wie sie aus Akupunktur oder Shiatsu bekannt sind - oder über Duftlampen, Aerosole oder Dampfgeräte in der Raumluft verteilt.

Gelegentlich werden sie auch tropfenweise auf Zucker eingenommen oder über Klistiere verabreicht.

Wirkung für einige Öle nachgewiesen

Für einige der Öle gilt eine spezifische Wirkung tatsächlich als nachgewiesen: Fichtennadel- oder Rosmarinöl zum Beispiel kann als anregender Badezusatz verwendet werden. Und die Inhalation von Muskat-, Thuja- oder Zitronenöl lässt sich zur Linderung von Reizhusten verwenden.

Darüber hinausgehende Wirkungen von Aromaölen konnten indes bis heute nicht belegt werden.

Insbesondere für die behaupteten psychotherapeutischen Heileffekte fehlt jeder Hinweis: Ob zum Beispiel eine Behandlung mit Erbeeraroma tatsächlich Angst und Unruhe zu mindern vermag, steht ebenso zu bezweifeln, wie die angebliche Steigerung der Lernleistung im Klassenzimmer durch Pfefferminz- oder Veilchenduft.

Neben den vielen positiven Effekten, die Aromaöle angeblich haben, gibt es auch eine Reihe von Nebenwirkungen. So können die Aromen offenbar auch Kopfschmerz und Übelkeit auslösen.

Darüber hinaus besteht bei bestimmten Aromaölen die Gefahr allergischer Reaktionen. Überdosiert können sie zu Entzündungen der Magenschleimhaut führen. Bei exzessivem Gebrauch besteht zudem das Risiko schleichender Leber- und Nierenschädigung.

Mit Natur- oder Pflanzenheilkunde hat Aromatherapie schon allein deshalb nicht viel zu tun, weil acht von zehn der im Handel angebotenen Aromaöle synthetisch hergestellt werden - in der Regel ohne klinische Qualitätskontrolle - und keinerlei pflanzliche Stoffe enthalten.

Für eine angenehmere Atmosphäre

Gegen Duftlampen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Die geringen Mengen an ätherischen Ölen, die hierbei in die Raumluft gelangen, bedeuten wohl kein weiteres Risiko, wenngleich Allergikern grundsätzlich davon abzuraten ist.

Je nach Vorliebe des Benutzers können die verbreiteten Aromastoffe in der Tat zu einer angenehmen Atmosphäre beitragen, mehr jedoch nicht. Auch Räucherwerk mag helfen, eine freundliche Raumatmosphäre herbeizuführen.

Aber die ausdrücklich therapeutischen Effekte, die den Harzen und Aromastoffen zugeschrieben werden, gehören ins Reich der Mythen.

Teil 3: Bach-Blütentherapie

38 Blüten gegen alle Leiden
Blütenessenzen – das klingt wunderbar nach Naturheilkunde. Doch hinter der Therapie steckt ein esoterisches Weltbild, in dem “Schwingungsfrequenzen” von Pflanzen gegen negative Seelenzustände helfen sollen.

Entwickelt in den 1930er Jahren durch den englischen Homöopathen Edward Bach (1886-1936) versteht die nach ihm benannte Therapie sich heute nicht nur als Allheilmittel gegen jedwede körperliche Erkrankung. Sie gilt unter ihren Anhängern auch als ganz besonders "segensreich bei psychischen und psychosomatischen Störungen".

Nachdem Bachs Vorstellungen nach dessen Tod im Jahre 1936 sehr schnell in der Versenkung verschwunden waren, wurden sie Ende der 1970er im Zuge der aufkeimenden New-Age-Bewegung wieder ausgegraben und in der Folge von der Hamburger Heilpraktikerin Mechthild Scheffer gewinnbringend vermarktet.

Bach zufolge besteht jeder Mensch aus einer unsterblichen Seele, einer sterblichen Persönlichkeit und einem "Spirituellen Selbst", das zwischen Seele und Persönlichkeit vermittle.

Mit Hilfe des "Spirituellen Selbst" suche die Seele in der Persönlichkeit jene Aufgaben zu verwirklichen, die dem jeweiligen Menschen als Teil eines größeren kosmischen Energiefeldes aus ebendiesem zugewiesen wurden.

Etwaige Störungen im Verhältnis zwischen diesen Aufgaben und dem tatsächlichen Lebensvollzug äußerten sich im Auftreten "negativer Seelenzustände", die ihrerseits als körperliche Erkrankungen in Erscheinung träten.

Genau achtunddreißig solcher Negativzustände gibt es laut Bach, von Angst, Eifersucht und Hass hin zu Misstrauen, Unsicherheit und Verzagtheit. Um zu gesunden gelte es, die hinter jeder Erkrankung stehenden "negativen Gedanken und Gefühle" mittels übergeordneter Schwingungen zu harmonisieren.

Transformation auf eine höhere Ebene

Hierzu bietet Bach ein Sortiment an achtunddreißig Blütenessenzen an, deren jeweilige "Schwingungsfrequenz" mit je einer der negativen Seelenverfassungen korrespondiere und diese auf eine “höhere Ebene” transformiere.

Bei den Bach-Essenzen handelt es sich um "Wasserauszüge" aus verschiedenen Pflanzen.

Allerdings werden keine Wirkstoffe in herkömmlichem Sinne extrahiert. Vielmehr werden die Blüten oder Pflanzenteile lediglich für kurze Zeit in Quellwasser eingelegt und dem Sonnenlicht ausgesetzt. Das Wasser soll sich dadurch in einem Prozess "natürlicher Alchimie" mit dem "Schwingungsmuster" der jeweiligen Pflanze anreichern.

Entscheidend für den Prozess ist nach Überzeugung der Bach-Jünger das strikte Einhalten ritueller Vorschriften: Beispielsweise müssen die Pflanzen zur Zeit des zunehmenden Mondes an einem sonnigen, wolkenlosen Tag vor neun Uhr früh gesammelt werden; dabei dürfen sie nicht mit bloßen Händen berührt werden, der Sammler muss unbedingt Handschuhe tragen.

Nach dem Einlegen in das Wasser - 120 Gramm Pflanzenteile auf einen Liter - müssen sie mit einem Zweig derselben Pflanze herausgeholt werden.

Cognac oder Brandy

Das "angereicherte" Wasser wird mit der gleichen Menge Alkohol (40%er Cognac oder Brandy) versetzt und im Verhältnis 1:240 mit Wasser verdünnt: aus fünf Litern Wasser, in die kurz ein paar Blätter oder sonstige Pflanzenteile eingelegt wurden, entstehen dergestalt 250 Liter Bach-Blütenessenzen, die, abgefüllt in 25.000 sogenannte "stockbottles" (Vorratsfläschchen á 10ml), für sieben bis zehn Euro pro Fläschchen verkauft werden.

Die "hochkonzentrierten" Essenzen der stockbottles müssen vom Anwender selbst auf Einnahmestärke verdünnt werden: drei Tropfen auf ein 30ml-Fläschchen, das zu 3/4 mit Wasser und zu 1/4 mit Alkohol aufzufüllen ist.

Laut Legende soll Bach, ein Anhänger der Lehre C.G.Jungs, "intuitiv" jene Pflanzen ausgewählt haben, die "positive archetypische Seelenkonzepte verkörpern und genau jene Schwingung besitzen, die uns fehlt, wenn wir uns in einem negativen Zustand befinden".

Rotbuchen-Essenz etwa wirke bei Arroganz, Geißblatt bei Pessimismus und Heidekraut bei Grübelsucht. Kastanie sei ratsam bei "mangelnder Einsicht in die eigenen Fehler" und Weide beim "Gefühl, im Leben zu kurz gekommen zu sein".

Für besondere Notfälle gibt es sogenannte "Erste-Hilfe-Tropfen" (rescue drops), eine "Essenz" aus fünf verschiedenen Pflanzen, deren Einnahme Schock, Panik und Ohnmacht verhindern soll.

Angeblich wirksam bei Legasthenie

In einem einschlägigen "Lehrbuch" werden Bach-Blüten auch bei Vergewaltigung und Misshandlung empfohlen. Mechthild Scheffer hält sie gar für geeignet, karmische Blockaden aus früheren Leben aufzulösen.

Selbstredend werden die Blütentropfen auch zur Bewältigung pädagogischer Probleme empfohlen: Beispielsweise sei Kindern, die nicht gern alleine spielten, mit Odermennig beizukommen, "boshaften" und "eigensinnigen" hingegen mit Stechpalme oder Weinrebe. Auch bei Lese- und Rechtschreibproblemen sollen Bach-Blüten helfen.

Zwar sollen die Blütenessenzen tropfenweise (vier Tropfen aus dem Einnahmefläschchen auf ein Glas Wasser, viermal täglich) eingenommen werden. Sie helfen angeblich aber auch schon, wenn man ein Fläschchen davon bei sich trägt oder neben sich ans Bett stellt. Auch fünf Tropfen auf ein Vollbad seien hilfreich.

Mittlerweile gibt es auch "Heilsalben" zu äußerlicher Anwendung, bei denen Bach-Blüten in eine neutrale Cremegrundlage eingearbeitet sind. Die Tropfen können selbstverständlich auch anderen, Kindern oder Ehepartnern etwa, ohne deren Wissen ins Essen oder in ein Getränk geträufelt werden.

Entgegen aller Behauptungen Scheffers und ihrer Anhänger tragen die Bach-Blüten-Essenzen außer dem Alkohol keinerlei Wirkstoff in sich. Es lässt sich nicht der geringste Unterschied zwischen den einzelnen Präparaten feststellen. Die einzelnen “stockbottles” enthalten Wasser und ein wenig Alkohol, sonst gar nichts.

Ähnlich wie bei vielen anderen alternativen Therapieangeboten kann die Bach-Blüten-Therapie bei manchen Patienten einen Placeboeffekt hervorrufen. Aber für eine zuverlässige Wirkung gibt es keinen einzigen ernsthaften Beleg.

Teil 4: Bioresonanztherapie

Falsch gepolte Schwingungen
Allergien, Rheuma, chronische Schmerzen: Die Bioresonanztherapie kann verblüffende Erfolge vorweisen – sagen ihre Anhänger. Doch einer Überprüfung halten die quantenpsysikalisch verbrämten Versprechen nicht stand.

Vorgestellt Ende der 1970er von dem Medizinaußenseiter Franz Morell und dem Elektriker Erich Rasche fand die Bioresonanztherapie in der Heilpraktikerszene in kürzester Zeit weite Verbreitung.

Heute gilt das auch als MORA (MOrell und RAsche)-, Bicom-, Multicom-, Multiresonanz- oder Kippschwingungstherapie bekannte Verfahren als nahezu unabdingbarer Bestandteil "alternativer" Heilbehandlung.

Vom Körper abgestrahlte "krankmachende Schwingung", so Morell und Rasche, werde über das von ihnen entwickelte Bioresonanzgerät in "heilsame Schwingung" umgepolt und dem Körper zurückgeführt.

Zur Behandlung hält der Patient zwei über Kabel mit dem Gerät verbundene "Elektroden" – hier in Form kleiner Blechdosen – in den Händen:

Die “Minus-Elektrode” greift angeblich die “pathologischen Schwingungen” ab, die “Plus-Elektrode” gibt sie, automatisch umgewandelt in “genau jene Schwingungen, die den Heilungsprozeß in Gang setzen", wieder ab.

Weiterentwickelte Geräte nutzten die “Schwingungen" homöopathischer Heilmittel oder von Bach-Blüten-Tropfen, die über die "Elektroden" in den Körper des Patienten eingeleitet werden könnten. Die geschlossenen Fläschchen werden hierzu in einen mit dem Gerät verkabelten Behälter gestellt.

Auch die heilsamen "Schwingungen" von Edelsteinen, Metallen und Farbkarten können angeblich auf diese Weise zugeführt werden.

Eine Behandlung für jede denkbare Erkrankung

Sechs bis zehn Sitzungen sind laut Aussager von Bioresonanz-Therapeuten erforderlich, jede nur denkbare Erkrankung oder Funktionsstörung zu beheben oder auch vorbeugend zu behandeln.

“Verblüffende Erfolge”, seien zu erzielen vor allem bei Allergien, Atemwegserkrankungen, chronischen Schmerzzuständen; Rheuma und vielen anderen Problemen – selbst und gerade dann, wenn andere Methoden oder Mittel bisher kaum oder gar nichts bewirken konnten.

Zur Erklärung der Wirkungsweise ihrer Apparaturen beziehen deren Vertreter sich gerne auf die nie bewiesene und von den meisten Fachleuten abgelehnte Biophotonentheorie des deutschen Physikers Fritz-Albert Popp.

Dieser Theorie zufolge umgibt eine ultraschwache zelluläre Lichtstrahlung jeden Organismus mit einem “Kraftfeld”, in das mittels bestimmter Schwingungen Informationen zur Behebung organismischer Funktionsstörungen eingeschleust werden könnten.

Mit aufgeblähter Terminologie wird von Bioresonanz-Therapeuten der Anschein quantenphysikalischer Wissenschaftlichkeit erweckt. Die Rede ist zum Beispiel von "sechsdimensionalen Hyperwellen", von "Supraleitungen" oder "Elektronen-Plasma-Strömen". Im übrigen sei die Funktionsweise der Geräte Firmengeheimnis.

Reine Spekulation und Irreführung

Bioresonanztherapie wurde einer Vielzahl wissenschaftlicher Tests unterzogen: die Ergebnisse waren durchgängig negativ!

Die Stiftung Warentest rät deshalb entschieden davon ab, egal, unter welchem Namen sie betrieben wird: Bioresonanztherapie muss als reine Spekulation und Irreführung des Patienten gelten.

Auch für den Hausgebrauch gibt es eine Reihe von Geräten:

Zu den weitestverbreiteten zählt der sogenannte Medea-7-Orgonstrahler. Es handelt sich dabei um ein “Radionik-Gerät”, das ohne Strom aus Steckdose oder Akku funktionieren soll.

Der “Strahler besteht aus einem spitz zulaufenden knapp 25 Zentimeter langen Aluminiumrohr (vergleichbar einem etwas überdimensionierten Kugelschreiber), das über ein Kabel mit einem Behälter für "Bioaktiv-Ampullen" verbunden ist. Diese Ampullen sind mit kochsalzhaltigem Leitungswasser gefüllt, das nach Angaben des Erfinders der Apparatur mit "universeller Lebensenergie" (= Orgon) aufgeladen sein soll.

Diese Energie wird über das Kabel und den Metallstift auf den kranken Körperteil geleitet und soll dort ihre heilende Wirkung entfalten. Auch Fernheilung ist angeblich möglich. Hierbei muss der "Strahler" auf ein Bild der zu heilenden Person gerichtet werden.

In großformatigen Werbeverlautbarungen berichten “begeisterte Anwender” von wundersamen Heilerfolgen bei Erkrankungen jeder Art, nicht zuletzt bei Neurodermitis, Herpes, Knochenmarkskrebs oder Gehirntumoren.

Ein Gutachten der Universität Gießen wies das 360 Euro teure Gerät als gänzlich wirkungslose Attrappe aus.

Bemerkenswert ist ein weiterer “Orgonakkumulator”, der unter dem Namen “Pyragon-Biophotonen-Schwingungsverstärker” vertrieben wird. Das Gerät in Gestalt einer kleinen Keramikpyramide säubere den Wohnbereich von “Eiterbakterien, Fäulnisbakterien und T-Bazillen” (“Todesbazillen, gemeint sind krebserregende Stoffe).

Ähnliche Wirkung wird dem “Hulda-Clark-Zapper K100” zugeschrieben, einem batteriebetriebenen “Frequenzgenerator, der angeblich eine in der Natur nicht vorkommende Wellenform” erzeugen kann und damit jedwede Keime, Pilze oder Parasiten abzutöten in der Lage sein soll.

Intensiv beworben werden auch Bioresonanzgeräte, die, nicht viel größer als eine Zwei-Euro-Münze, mittels eines eingebauten Mini-Akkus ein elektromagnetisches Feld zu erzeugen und, als Anhänger um den Hals getragen, jegliche Organstörung zu beheben in der Lage sei.

Alle diese Geräte kosten Hilfesuchende zwischen ein- und zweihundert Euro.

Etwas preiswerter ist mit 90 Euro das sogenannte Kosmoton, ein "kosmobiologisches Schutzgerät für Mensch, Tier und Pflanze". Es handelt sich um ein mit esoterischer Symbolik versehenes Blechmedaillon von etwa sechs Zentimetern Durchmesser mit eingebauter Mini-Batterie. In diesem Gerät sei ein “dreistrahliges Mikrokosmossystem mit dem siebenfachen Mikrosonnensystem kombiniert”, wodurch es “universal kosmisch tonisierend” wirke.

Die Beispiele für derlei vollkommen nutz- und wirkungslose Gerätschaften könnten endlos fortgeführt werden.

Eine komplette Ausbildung zum “Bioresonanztherapeuten” selbst ist übrigens billiger als die meisten dieser Geräte: Sie dauert sechs Stunden und kostet 75 Euro.

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Page last modified on January 30, 2008, at 01:41 AM